Intern: Bitte editieren Sie!

In den vergangenen Monaten wurde regelmäßig Kritik an der fehlenden Möglichkeit laut, auf dem Fleischervorstadt-Blog abgegebene Kommentare nachträglich editieren zu können. Nach endloser Wartezeit darf in Reaktion auf diesen Wunsch eine zaghafte Entwicklung protokolliert werden: Ab jetzt ist es für anonyme Nutzer möglich, abgegebene Kommentare binnen fünf Minuten nach dem Absenden zu verändern.

kommentare editierbar

Wer hier an seiner gepflegten Netzidentität festhält und seinem Pseudonym treu bleibt, kann diese Editierungen auch noch nach Ablauf der fünfminütigen Frist vornehmen. Registrierte Nutzerinnen müssen in der Regel nicht auf die Freischaltung ihrer Kommentare warten und können außerdem nachträglich ihre Angaben über E-Mail-Adresse und Homepage ändern.

Umgesetzt wird diese Funktion übrigens über das Plugin WP Ajax Edit Comments. Wenn das Editieren nicht funktionieren sollte, bin ich für das Posten entsprechender Hinweise natürlich sehr dankbar.

Naziangriff: Spontandemo und Dementis

Nachdem in der Nacht vom 24. zum 25. Juni eine Person von Neonazis angegriffen und so schwer verletzt wurde, dass sie im Krankenhaus bleiben musste, fand am Folgetag auf dem Fischmarkt eine Kundgebung statt. Die mahnende Versammlung wurde extrem kurzfristig organisiert, dennoch konnten ungefähr 200 Leute mobilisiert werden.

Nach mehreren Redebeiträgen löste sich die Kundgebung am Fischmarkt auf und etwa die Hälfte der Teilnehmer bewegte sich im Rahmen einer Spontandemo in die Wolgaster Straße vor das Wohnhaus von Marcus G., einem bekannten Aktivisten der Nationalen Sozialisten Greifswald (NSG).

spontandemo greifswald(Foto: Indymedia)

Die NSG bedauert, dass der Presse noch keine weiteren Einzelheiten zu entnehmen sind, und dementiert eilig eine Beteiligung an der schweren gemeinschaftlichen Körperverletzung: „Diese Leute selbst können der NSG jedoch nicht zugerechnet werden, was an sich erfreulich wäre, zwecks neuer Unterstützer“.

ERSTAUNLICHES TÄTERWISSEN BEI MUPINFO UND NSG

Erstaunlich ist, dass sowohl auf dem rechten Nachrichtenportal MUPINFO als auch auf der Website der NSG Informationen auftauchen, die eigentlich nur Beteiligte kennen können. Zum Beispiel wusste MUPINFO zu berichten, dass von den Neonazis „antifaschistische Gewaltverherrlichungen, kommunistische Propaganda und ähnlicher subkultureller Schrott der linken Szene“ entfernt oder „zweckmäßig übergeklebt“ wurden.

Im gleichen Text gerät der Autor dann auch noch mit den sonst streng verwendeten Konjunktiven ins Schlingern und verteilt Informationen, die zu diesem Zeitpunkt sonst noch nirgendwo veröffentlicht worden sind: „So wurden Personen beobachtet, die nur wenige hundert Meter entfernt die frisch geklebten Aufkleber ihrerseits wieder unschädlich machten“.

nationale sozialisten greifswaldDas Opfer des Angriffs waren zwei Punks, von denen einer fliehen konnte und über deren subkulturellen Hintergrund bis dato nichts veröffentlicht wurde. Kurioserweise verwendeten die NSG-Autoren für diesen Beitrag das erste Mal den Tag Punks, obwohl dieses Wort im Text nicht gebraucht wird – Beiträge über Antifaschisten sind dort für gewöhnlich mit Antifa verschlagwortet, über Punks wird nicht geschrieben.

KRUDE PRESSEMITTEILUNGEN AUS DER PROPAGANDAZENTRALE

Das sind natürlich nur Indizien und keine Beweise, merkwürdig ist es aber schon. Auch die von den Nazis beschworene Gewaltfreiheit – man lehne solche „Strassenkämpfe“ (sic!) ab und ziehe den „Propagandistischen (sic!) und den geistigen Kampf vor“ –  ist in Anbetracht der Chronik rechter Gewalt in Greifswald wenig glaubwürdig.

Angesichts der orthographischen Gleichgültigkeit und der fehlertriefenden „Pressemitteilung“ der NSG darf man auf diesen geistigen Kampf schon gespannt sein. Und wenn der dann doch nicht aktionsorientiert genug ist, geht’s zur „aggressiven und entschlossenen Demonstration“, die wenige Beiträge weiter beworben wird.

Podiumsdiskussion: Bürgerjournalisten, sterbende Redaktionen und andere Zankäpfel

Der Fachschaftsrat am Institut für Politik- und Kommunikationswissenschaft (IPK) kündigt für das laufende Sommersemester eine Auseinandersetzung mit dem Großthema Netzpolitik an, dem sich mit unterschiedlichen Veranstaltungen genähert werden soll.

ipk fsr

Netzpolitik, das ist ein vielschichtiger Kosmos, der sich in kurzer Zeit und mit unregelmäßiger Beschäftigung kaum erschließen lässt. Aber: Netzpolitik geht uns alle an und ist ein Feld, auf dem sich viel tut! Daher ist es umso begrüßenswerter, dass sich mit dem FSR IPK endlich jemand aus der Deckung gewagt hat und die Ambition an den Tag legt, sich an diesem Komplex abzuarbeiten.

GLÄNZT, ABER SCHMECKT NICHT ALLEN: ZANKAPFEL BÜRGERJOURNALISMUS

Als Auftakt wird morgen um 16 Uhr im Konferenzsaal der Universität Greifswald eine Podiumsdiskussion beginnen. Das Thema der auf nur neunzig Minuten begrenzten Auseinandersetzung lautet Bürgerjournalismus contra Qualitätsjournalismus und greift damit einen der populärsten Zankäpfel auf, die regelmäßig zwischen Bloggern und etablierten Zeitungsjournalisten umhergeworfen werden.

journalismus krise neue medienEs wird um den gewachsenen wirtschaftlichen Druck gehen, mit dem etablierte Zeitungen im Online-Zeitalter konfrontiert werden, um schrumpfende Redaktionen und um vermeintliche Rationalisierungsnotwendigkeiten. Man könnte die Auflösung eines langgedienten journalistischen Modells besprechen und hoffentlich auch die Möglichkeiten, die sich durch eine vernetzte Gemeinschaft und einen neuen Meinungspluralismus ergeben – nicht zuletzt als partizipatorisches Moment in einer Demokratie, die ihr etabliertes Mediensystem als vierte Gewalt definiert.

VIELSEITIGES PODIUM: LOKALBLOGGER, PODCAST-LEGENDE UND KOMMUNIKATIONSWISSENSCHAFTLER

Für die Veranstaltung konnten die Organisatorinnen eine interessante Diskussionsrunde zusammenstellen – neben dem Greifswalder Blogger daburna konnte auch Ulrich Meyke eine Zusage abgerungen werden. Letzterer betreibt seit mehreren Jahren von Usedom aus eine Art Watchblog, in dem mit strengem Maß die Arbeit der Ostsee-Zeitung unter die Lupe genommen wird.

Weiterhin wurde Sebastian Jabbusch eingeladen. Der Pirat machte sich in Greifswald als maßgeblicher Geburtshelfer des webMoritz einen Namen, sorgte als Teil der Kampagne gegen den umstrittenen Namenspatron der Uni Greifswald, Ernst Moritz Arndt, für Furore und schreibt derzeit von Berlin aus an seiner Magisterarbeit Liquid democracy in der Piratenpartei. Passend zum Thema wird das Entstehen der Arbeit in einem Blog dokumentiert und reflektiert. Auf der letzten re:publica hielt Jabbusch auch einen Vortrag über liquid democracy.

dongges-jabbusch-pritloveProfessoraler Beistand kommt morgen von Prof. Dr. Patrick Donges, Inhaber des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft. Donges hat zwar in den neunziger Jahren Journalistik studiert, publiziert und arbeitet aber eher in Sachen politischer Kommunikation und ergänzt damit den Diskussionszirkel um einen weiteren Blickwinkel. Donges‘ Publikationsliste ist hier einsehbar.

Der wohl prominenteste Gast des Nachmittags kommt aus den Reihen des Chaos Computer Clubs, ist anerkannter Podcaster (Chaosradio Express), religionsparodistischer Diskordiant und hört auf den Namen Tim Pritlove. Auf den britischen Staatsbürger machte ich schon einmal aufmerksam, als es um Flattr ging und der Podcaster selbst als Gast im Medienradio auftrat.

Exkurs: Pritlove war federführend in die beeindruckende Lichtinstallation Blinkenlights involviert, die zuerst im Berliner Haus des Lehrers (2001) und später in Paris (2002) sowie in Toronto (2008) aufgebaut wurde. Dieser BBC-Bericht zeigt den wohl beeindruckendsten Riesenmonitor in der französischen Hauptstadt.

Der podcastende Ehrengast freut sich auf Greifswald und die Online-Community freut sich auf ihn. Es ist überraschend, wie vielen dieser Name ein Begriff ist und wie viele Leute seiner Einladung zum Hörerinnentreffen antworteten, die der Podcaster erst kürzlich auf seinem Blog veröffentlichte. Denn nach der Podiumsveranstaltung soll es ab 19 Uhr in kleinerer Runde im Café Caspar weitergehen.

WO SIND DIE BETROFFENEN DER OSTSEE-ZEITUNG?

So gut gelungen die Zusammenstellung des Podiums auch sein mag, man kommt nicht umhin, das Fehlen der hiesigen Lokaljournalistinnen der Ostsee-Zeitung zu monieren. Denn gerade an diesem Printprodukt dürften viele Aspekte, die in der Diskussion aufkommen könnten, greifbar werden: seien es die regelmäßig von Ulrich Meyke dokumentierten, sinkenden Verkaufszahlen des Lokalblatts oder der zunehmende Trend zum Multiredakteur, der nicht nur die dpa-Meldungen umschreibt, sondern bald auch noch für die Akquise von Anzeigenkunden verantwortlich ist.

mediacrisisSchon jetzt kursiert das Gerücht, dass auf den Zeitungsfotografen Peter Binder, der jahrzehntelang für die OZ arbeitete und sich nun in Richtung des wohlverdienten Ruhestands knipst, keine neue Fotografin nachfolgen wird. In Zukunft wird also die Bebilderung von den schreibenden Journalisten übernommen – eine Entwicklung, die bei der OZ bereits beobachtbar ist.

Mit Netzpolitik hat sich der Fachschaftsrat ein nahezu unerschöpfliches Themenfeld gewählt, dessen Vielschichtigkeit es erlaubt, auch noch die nächsten Jahre mit einem kontinuierlich laufenden Veranstaltungsprogramm dieser Art zu füllen. Ein Anfang ist gemacht, jetzt bedarf es nur noch Durchhaltevermögens und Kreativität bei den Organisatorinnen. Bitte weiter so!

Fakten: 24.05. | 16 Uhr | Konferenzsaal der Uni (Domstr. 11)

(Illustration: Mark Stivers)

Peinlich: OZ kopiert beim Fleischervorstadt-Blog

Am vergangenen Wochenende durfte man auf die Greifswalder Ausgabe der Ostsee-Zeitung gespannt sein, wurde doch am Vortag angekündigt, über die Grazer Immobiliengeschäfte des Petruswerk/Avila-Gruppe zu berichten. Einen Tag später wurde in der Lokalzeitung der von Katharina Degrassi geschriebene Artikel veröffentlicht – im wesentlichen eine stark gekürzte Zusammenfassung des Beitrags Die Greifswalder Einkaufstour des Immobilienmagnaten Douglas Fernando, der hier bereits am 8. Feburar erschien.

QUELLE: TAGESZEITUNG

Bis dahin gibt es an der Arbeit der Redaktion wenig auszusetzen, doch Katharina Degrassi verzichtet wohlweislich auf eine genaue Quellenangabe und gibt an, dass „zahlreiche Greifswalder Internetblogs“ über das Thema berichtet hätten. Da strenggenommen genau ein ausführlicher Beitrag zu diesem Thema auf exakt einem Blog erschienen ist, hätte diese Quelle konkretisiert werden müssen, oder um es mit den Worten des OZ-Watchbloggers Ulrich Meyke zu sagen: „Das wäre auch genauso, als übernähme jemand etwas aus der OZ, schriebe es etwas um und darunter: Quelle: Tageszeitung„.

Den Originalbeitrag hat Degrassi wohl gründlich studiert, denn es kommt noch besser: Der Artikel ist mit einer Grafik bebildert, die es in verblüffend ähnlicher Machart ebenfalls bereits vier Tage zuvor schon gab – als Teil des auf dem Fleischervorstadt-Blog veröffentlichten Beitrags.

Ostsee Zeitung Plagiat

LIEGT ES AN DER BORNIERTHEIT DES HAUSES?

Warum sich Degrassi so großzügig bedient und dann einer Angabe ihrer Quelle schuldig bleibt, ist reine Spekulation. Mitunter ist sie der arroganten Borniertheit des Hauses anheimgefallen, die immer dann zutage tritt, wenn die Redaktion ihre journalistische Arbeit schönredet oder sogar rechtfertigen muss. Benjamin Fischer, ihr Leiter, versprach einen neuen Lokaljournalismus in Greifswald etablieren zu wollen, an den sich einige hier offenbar erst gewöhnen müssten.

ostsee zeitung lügtAber wer will sich überhaupt an eine Zeitung gewöhnen, die in nicht endenwollender Kontinuität nicht als solche gekennzeichnete Pressemitteilungen veröffentlicht, Artikel aus renomierteren Zeitungen ohne Angaben der Urheberschaft kopiert und sich inzwischen auch immer großzügiger im Netz bedient, seien es die Komplettübernahme ganzer Passagen bei Wikipedia oder eben ein Fall wie der vorliegende.

(Foto: S.Schmidt)

LINKGEIZ & SILVERSURFER

Vielleicht ist das Verhalten der Redaktion sogar als Miniaturpuzzleteil eines Rückzugsgefechtes zu verstehen, denn die holzmedialen  Journalistinnen sind seit Jahren mit einer fortwährend wachsenden Zahl von Informationsangeboten im Netz konfrontiert und empfinden diese Entwicklung mitunter als so große Bedrohung, dass sie so wenig wie möglich darauf hinweisen möchten. In der Netzsprache wird ein vergleichbares Verhalten mit dem Wort Linkgeiz beschrieben.

Am Ende steckt in dieser Haltung die Befürchtung davor, dass auch die Leserinnen der Ostsee-Zeitung immer zahlreicher das Internet für sich entdecken. Ein Großteil ihrer Leserschaft gehört schon kraft ihres Alters zu den Silversurfern – der schnellstwachsenden Gruppe im Netz.

Auch Greifswalder Blogosphäre wird inzwischen von – überwiegend männlichen – Usern jenseits der 50er-Marke mitgestaltet, die sich zum Beispiel auf dem Blog der Grünen austoben oder eigene Präsenzen pflegen, wie Jost Aé. Aus dessen Feder stammte auch ein Artikel, den die Ostsee-Zeitung vor einigen Wochen übernahm und der ausnahmsweise mit Quellenangabe veröffentlicht wurde.

Veranstaltungshinweis: Chris Gall Trio feat. Enik

Für die Indiefritzen mag es wie elitäre Jazzschnöselei aus dem Elfenbeinturm der Hochkultur klingen, den Jazzpolizisten wird der Trauerpopappeal ein Dorn im Auge sein – das kollaborative Projekt von Chris Gall und Enik aus München bewegt sich in genau diesem Spannungsfeld und überschreitet fortwährend die Grenzen beider Genres.

chris gallo trio & enik(Foto: Dean Bennici)

Chris Gall, in Berklee am Piano ausgebildet, arbeitet seit knapp fünf Jahren mit dem Ex-Funkstörung-Sänger Enik zusammen. Gemeinsam dehnen sie die Randbezirke ihrer musikalischen Heimat und werden hierbei von Axel Kühn am Kontrabass und Jörg Mikula am Schlagzeug unterstützt. Heraus kommt dabei eine Art tiefschattierter Indie-Jazz-Pop.

Exemplarisch hier das Video zum Song 21st Century Jesus.

Video (04.44)
[youtube DKF0RpayGgw]

Auf dem Blog Jazz in Greifswald sind zwei weitere Lieder zum Anhören hinterlegt. Dort wurde inzwischen auch ein Flattr-Button eingebunden, zu dessen Nutzung hier explizit aufgerufen sei!

Fakten: 05.02 | 21 Uhr | Medienwerkstatt (Bahnhofstr. 50) | 10 / 8 EUR

Intern: Fleischervorstadt-Blog wieder auf BILDblog.de verlinkt

Juhu! Wie ich gerade feststellen durfte, verlinkt der BILDblog heute in der Rubrik 6 vor 9 auf den Beitrag Peinlich: OZ kopiert beim SZ-Magazin.

bildblog logoDort heißt es: „Das Fleischervorstadt-Blog vergleicht Textbausteine eines Artikels der „Ostsee-Zeitung“ vom 29. November mit dem „SZ-Magazin“ vom 16. September“.

Dieser Vergleich ist nur durch den Hinweis des bei Twitter operierenden OZ-Kritikers kaiderChef möglich gewesen, für den ich mich an dieser Stelle nochmal auf das allerherzlichste bedanken möchte.

Vor etwa dreizehn Monaten tauchte der Fleischervorstadt-Blog schon einmal auf Deutschlands wohl berühmtestem Watchblog auf. Im Beitrag Pressestelle der Uni narrt das ZDF ging es darum,  wie die Öffentlichkeitsarbeiter der Universität Greifswald dem Fernsehen eine ihrer Angestelltinnen als Beispielstudentin verkauften und so für eine ausgezeichnte Einschätzung sorgten.