Steinar in Greifswald Teil 11

Es gab schon einmal lange Diskussionen über ein Modegeschäft in Greifswald, das Textilien der Marke Thor Steinar veräußerte. Damals zeigte sich nicht nur die vermeintliche Ahnungslosigkeit der Geschäftsinhaberin, sondern vor allem die politische Kurzsichtigkeit Sebastian Ratjens. Das entsprechende Geschäft, der MCS Fashion Store, ist inzwischen – wie beinahe alle Läden – raus aus der Dompassage und versucht sein Glück nun im Greifswalder Gewerbegebiet.

Demnächst wird eine lokal organisierte Demonstration gegen das Geschäft stattfinden, die auch auf dieser Seite zeitnah angekündigt wird. Vorher, am Mittwoch, dem 14.01., wird es eine Infoveranstaltung der antifaschistischen Kampagne „Tu Wat! Gegen Thor Steinar und rechten Lifestyle!“ im Café Koeppen geben. Unter dem Titel Der Nazis neue Kleider – die rechte Modemarke Thor Steinar wird ab 19 Uhr informiert werden.

Ungemach aus der Provinz

Die Wahlgreifswalder Band Feine Sahne Fischfilet wollte ursprünglich genau heute mit einer Record Release Party in Loitz Stellung beziehen. Um auf die politisch schwierige Situation in den Provinzen aufmerksam zu machen, entschloss sich die Band dazu, eine Art antifaschistisches Komplettprogramm auf die Beine zu stellen. Film und Vorträge zum Thema Rechtsextremismus und Konzerte von vier Bands sollten ein Zeichen setzen.

Irrwitzigerweise mobilisierten junge Rechtsextreme gegen die Veranstaltung, die dann schlussendlich gestern vom Loitzer Bürgermeister mit der Begründung, keine Sicherheitsgarantien geben zu können, verboten wurde. Diese Entscheidung ist ein Armutszeugnis für die Region und wird sicher noch für Diskussionen sorgen.Genaueres läßt sich bei indymedia nachlesen.

feine sahne fischfilet

Die Veranstaltung wird kurzfristig nach Greifswald ins IKUWO verlegt. Die Konzerte werden dort heute ab 20:30 Uhr stattfinden.

Auf der Jagd nach roten Helfern *update*

Es ist beängstigend, was für eine Treibjagd auf die Ortsgruppe der Roten Hilfe unternommen wird. Nach einer Vortragsveranstaltung im Klex wurden die dortigen Vermieter unter Druck gesetzt, einerseits nicht mehr an die Rote Hilfe zu vermieten und darüber hinaus die Postadresse aufzulösen. Die Ostsee Zeitung zeigte sich einmal mehr als willfährige Erfüllungsgehilfin. Nach der jüngsten Rote-Hilfe-Vortragsveranstaltung im IKUWO scheint das alternative Kulturzentrum vergleichbaren Kräften ausgesetzt.

Die Ostsee Zeitung ist engagiert dabei und erklärt der unwissenden Leserin, dass die Rote Hilfe „einige Seiten im Verfassungsschutzbericht 2007“ fülle. Mich überrascht tatsächlich die Energie, die WVG und OZ in den Feldzug gegen die Ortsgruppe stecken. Da die WVG bisher kaum als originär politisch in Aktion getreten ist und die OZ in der Regel ohnehin kaum Ahnung von der Materie hat („Antifa könnte ein Mädchenname sein“), muss man vermuten, dass der Auslöser eine Etage höher sitzt.

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Und obwohl ich persönlich die Rote Hilfe nicht gerade sexy finde, wird sie doch kraft dieser Jagd interessant wie schützenswert.

Inzwischen ist seitens des IKUWOs eine Richtigstellung an die Ostsee Zeitung gegangen, wir werden sehen, ob sie gedruckt wird, in der Vergangenheit ließ das Lokalblatt (nicht nur) in dieser Beziehung häufig zu wünschen übrig:

„Wir bestehen auf restlose Klärung dieser Falschmeldung. Im Artikel werden wir als „illegal handelnder Verein“ bezeichnet. Dies ist eine Unterstellung und autorenlose Behauptung. Es bedarf für dieses Mal keiner besonderen Inanspruchnahme eines Rechtsbeistandes. Wir vertrauen darauf, dass sich alle Missverständnisse durch zukünftige Gespräche ausräumen lassen.

Die im gestrigen Artikel „Rote Hilfe muss IKuWo verlassen“ gemachten Angaben sind falsch. Jan Holten, Sprecher des Internationalen Kultur- und Wohnprojektes e.V., betont, dass nie ein illegaler Mietvertrag mit der „Roten Hilfe“ existierte. Das IKuWo ist vielseitiger Veranstaltungsort und wird von über 20 Gruppen und Vereinen der Stadt regelmäßig genutzt. „Das bedeutet nicht, dass nicht genehmigte Mietverträge geschlossen werden“, so Holten. Der Verein selbst erfuhr erst vor Tagen per Brief davon, dass die WVG als Verwalter von solch einem Mietverhältnis ausgeht. Das IKuWo ist seit acht Jahren anerkanntes Begegnungszentrum in der Fleischervorstadt. Bezüglich der Raumnutzung existiert eine Vereinbarung als Grundlage für einen Mietvertrages, welcher erst im Mai 2008 erneuert wurde. Die Vereinsmitglieder erwarten nun Aufklärung über dieses Missverständnis durch den Verwalter.“

Die vierte Kurzfilmnacht – eine Prise Polemik

Das Caspar-David-Friedrich-Institut und radio 98eins luden am 5. Dezember zur mittlerweile vierten Kurzfilmnacht ein. Obschon die Veranstalter allmählich in die Verpflichtung einer selbstproduzierten Tradition geraten, gab es auch dieses Jahr Raum für Neuerungen. „Die vierte Kurzfilmnacht – eine Prise Polemik“ weiterlesen

Im Gespräch mit Alexander Pehlemann

Vom 14. bis zum 24. November fand in Greifswald der PolenmARkT statt. Unter diesem Titel firmiert ein zehntägiges Kulturfestival, das den Blick gen Osten richtet. Eine abwechsungsreiche wie qualitativ hochwertige Melange aus Vorträgen, Filmvorführungen, Parties, Konzerten, Lesungen, Ausstellungen und schliesslich sogar einer Late-Night-Show bereicherte den kulturellen Alltag in der Stadt; leider aber auch nur temporär. Der Fleischervorstadtblog sprach mit Alexander Pehlemann, Mitinitiator des Festivals und Herausgeber des Kulturmagazins „Zonic„. „Im Gespräch mit Alexander Pehlemann“ weiterlesen

Appetitlose Heuschrecken

Anscheinend geschehen manchmal doch noch gute Dinge: Der WVG-Verkauf ist endgültig geplatzt.

Hier ist die Pressemitteilung der Stadt:

Die KWG Kommunale Wohnen AG ist heute vom Vertrag über den Anteilskauf an der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald mbH zurückgetreten. Das teilte soeben der Oberbürgermeister der Universitäts- und Hansestadt, Dr. Arthur König, mit. In einem Schreiben der KWG hieß es zur Begründung, dass aus ihrer Sicht die Vertragsbedingungen nicht erfüllt seien und insbesondere ein wirksamer Zustimmungsbeschluss der Bürgerschaft fehle.