Großprojekt Hochwasser-Sperrwerk Greifswald, es geht voran!

Im Januar 2011 begann nach langer Planung und mehrjährigen Vorarbeiten der Bau des Hochwasser-Sperrwerks in Greifswald. Nach seiner Fertigstellung, die für April 2014 geplant ist, soll es die Hansestadt und vor allem deren Ortsteil Wieck vor hereinströmenden Wassermassen schützen.

Verlagerung des Hochwasserschutzes vom Ryck an den Bodden

Aufgrund der Form des Ostsee-Beckens und der Lage der vorpommerschen Küste sind die Gebiete an der Dänischen Wieck sturmflutgefährdet. In der Vergangenheit hat sich mehrfach erwiesen, dass Greifswald in besonderem Maße von Hochwasser bedroht ist.

sperrwerk wieck greifswald(Abbildung: Wasser und Abfall)

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Tag der Archive: Sturmfluten in Greifswald

Am Wochenende findet der Tag der Archive statt. Das ist eine vom Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA) initiierte bundesweite Veranstaltung, die das Ziel verfolgt, die Schwellenängste vieler Bürger vor Archiven zu überwinden. Das diesjährige Thema lautet „Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen“.

Die verheerende Sturmflut von 1872 

In Greifswald wird das Thema Sturmfluten fokussiert. Hierzu wird der Stadtarchivar Uwe Kiel am Sonnabend einen Vortrag halten, in dem er sich ganz konkret der schwersten Sturmflut widmen wird, die jemals in der Hansestadt registriert wurde. Damals, im November 1872, richtete die Naturkatastrohe verheerende Schäden an und kostete mehrere Menschen das Leben. Kiel wird beeindruckende Fotos und Dokumente zeigen.

Sturmflut Greifswald

(Foto: Pommersches Landesmuseum, 1904)

Fakten: 03.03. | 11 Uhr | Aula der Arndt-Schule (Arndtstr. 37)

Festgehalten: Wintertied

De klitternde Koll un de iesige Wind / kummt ut Nordoost un weiht ganz geschwind / över de Felder, de Walden un Hüs / un fegt weg dat letzte Gemüs / De Fröst lett d` Water mit Ies bedecken / Ruugfröst flüggt över Wallen un Hecken / De Bööm sünd wi verzuckert un glitzert so fein / de Luft is so klaar un duftig un rein / Nachts lüchten de Steerns un schient ok de Maan / allens is ruhig, kien Stress un kien Wahn / Ganz wied weg hört man een Motorengedrüs / de Lü sünd nu binnen in ehre warm Hüs […] / Un is de Winter dunkel, lang un ok kold / de Sünn stiggt höger un dat ok ganz bold / Dat Vörjahr kummt seker so is de Natur / kannst`d up verlaten, ik hebb so in`t Luur.*

winter greifswald ryck(Foto: grenzfrequenz via Flickr)

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* aus Wintertied, Rudi Rabe (2008)

Badewasserkarte veröffentlicht – Strandbad Eldena kommt gut weg

Die Landesregierung hat gestern die jährlich erscheinende Badewasserkarte veröffentlicht. Diese versammelt Qualitätseinschätzungen von Badestellen Mecklenburg-Vorpommerns.

Sozial- und Gesundheitsministerin Manuela Schwesig ist begeistert: „99,2 Prozent aller untersuchten 490 Badegewässer sind von sehr guter oder guter Qualität“ (Pressemitteilung). Ein sehr gut erhielten 398 Badegewässer (81,2%), für zum Baden gut geeignet wurden 88 Badegelegenheiten (18%) befunden. An vier Stellen wurden ein- und mehrmalige Grenzwertüberschreitungen festgestellt. Das Badeverbot im Plauer See wurde aufgehoben, an der Badestelle Salem am Kummerower See bleibt es jedoch vorerst bestehen.

UNGETRÜBTE BADEFREUDEN IN DER TRÜBNIS DES GREIFSWALDER BODDENS

Gemessen wurde auch im Strandbad Eldena. Ortskundige wissen die biathletische Besonderheit des dortigen Badevergnügens zu schätzen und erwarten nach einem Ausdauerlauf in die Fluten weder Weitsicht noch Wasserqualität. Auch daran, was die unzähligen anderen Badegäste im kühlen Nass hinter sich lassen, wollen sie keine Gedanken verschwenden.

eldena strand

Umso erstaunlicher fühlt sich der Badewasserkartenbefund für das Strandbad an: Eldena bekam ein sehr gut für die Wasserqualität. Allein die Sichtweite von unter einem Meter ist Grund dafür, dass diese Badestelle der EU gemeldet werden musste und der schwesigsche Jubel über den „ungetrübten Badespaß“ dann irgendwie doch schnell verhallt. Die Saison ist seit dem vergangenen Sonntag eröffnet. Die Preise sind – je nach Perspektive – fair:

  • Erwachsen: 2 Euro
  • Rentner, Schüler, Azubis oder Studenten: 1,50 Euro
  • Kinder und Jugendliche (6-16): 1Euro
  • Familienkarte:5 Euro.
  • Jüngere Kinder: kostenlos

Diese Preise lassen sich nur durch ein niedriges Lohnniveau erreichen. Glücklicherweise wird das Strandbad von der stadteigenen Gesellschaft für Arbeitsbeschaffung und Strukturentwicklung (ABS) betrieben, deren Geschäftsführer gerade wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung geschasst wurde. Das stadteigene Unternehmen organisiert den streitbaren Einsatz von Alg-II-Empfängerinnen und ist – pointiert ausgedrückt – die Greifswalder Schaltzentrale für unterbezahlte Zwangsarbeit.

So wird eine jede schließlich Teil dieses Systems, und sei es auch nur als Nutznießerin. Man könnte die Sommerfreuden noch weiter trüben und zum Beispiel von der neuen Strandbar Cubaneros erzählen, die pünktlich zur Saison eröffnet und überraschende Querverbindungen zur Greifswalder Freefight-Szene offeriert, aber das würde an dieser Stelle zu weit führen.
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INTERAKTIVE KARTE ALS GIMMICK FÜR ONLINER

Die Veröffentlichung der Badewasserkarte 2011 wird auch im Internet vollzogen und das Ministerium für Soziales und Gesundheit bietet  eine Online-Version der Tourismusgeschäftsstimulanz an. Hinter einer ersten Übersicht sind auch einige Detailinformationen verborgen, zum Beispiel für das Strandbad Eldena abrufbar. Die Karte ist online abrufbar und lädt dazu ein, sich vor dem nächsten Strandausflug zu informieren.

interaktive badekarte mvGetestet wird übrigens monatlich, unter anderem auf Escherichia coli und Intestinale Enterokokken. Diese Messungen werden von der Europäischen Union von ihren Mitgliedsstaaten gefordert, die „ein aktives Management der Badegewässer und umfassende Informationen an die Öffentlichkeit“ vorschreibt. Die Landesregierung hat diese Forderung erfüllt.

Heute hat auch daburna auf die Veröffentlichung der Karte aufmerksam gemacht. Dort ergänzte OZ-Watchblogger Lupe Kritik an der fehlenden Auszeichnung der genauen Sichtweiten und wies auf einen älteren Beitrag von ihm hin, in dem er sich mit der Gefahr für Badegäste auseinandersetzt, die durch Bakterien droht, denen das sommerlich-warme Ostseewasser ein zu guter Nährboden ist.

DEFA-Aufnahmen aus Wieck – der Kultfilm „Heißer Sommer“

Da lacht das Herz der Lokalpatriotin, denn der mittlerweile 43 Jahre alte Kult- und Musikfilm Heißer Sommer (DEFA, 1968) wurde nicht nur in Berlin, Leipzig und auf Rügen, sondern auch in Wieck gedreht. Der Film ist noch nicht richtig in Fahrt, da wird die Wiecker Holzklappbrücke schon zum Schauplatz balzender Auseinandersetzungen.

heisser sommer brücke wieck

Zwei Schülergruppen trampen unabhängig voneinander in den Sommerferien an die Ostsee. An der Autobahn kreuzen sich die Wege der elf Leipziger Mädchen und der zehn Jungen aus Karl-Marx-Stadt. Den Wettstreit, wer zuerst sein Ziel erreichen würden, entscheiden die Leipzigerinnen klar für sich, doch an der Ostsee treffen sich beide Gruppen wieder und mühen sich aneinander ab.

Heißer Sommer ist eine Art Jugendfilm und mit über sechs Millionen Zuschauern eine der erfolgreichsten DEFA-Produktionen – prominent besetzt mit den beiden Schlagerstars Frank Schöbel und Chris Doerk. Die Handlung ist ähnlich simpel gestrickt wie die häufig allzu naiven Dialoge. Es wird gesungen und getanzt, geturtelt und umgarnt.

heißer sommer filmFür eine große Dosis Ostalgie am Wochenende langt es aber allemal und wer genauer hinschaut, kann auch ein paar interessante Entdeckungen machen. Das beginnt bei der Figur des Nerds, den es offensichtlich schon in den sechziger Jahren gab, und hört beim Frauenbild auf – selbstbewusste junge Mädchen mit Kurzhaarfrisuren, die rauchen, trampen und sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen: „Ich tue, was ich will und was ich will, das tue ich„.

Wer bis zum Schluss durchhält, darf sich außerdem auf die Szene freuen, in der Frank Schöbel von seinem Rivalen Prügel bezieht. Wer dann noch immer nach der großen Frage sucht, die aus diesem Film spricht, der wird vielleicht über das Verhältnis von Kollektiv und Individuum sinnieren, bis das schmissige Titelstück wieder weitertreibt.

Frank Schöbel und Chris Doerk werden am 7. April in der Greifswalder Stadthalle auftreten, für diesen Abend werden auch die alten Hits des Kultfilms angekündigt.

Fakten: 07.04. | 19.30 | Stadthalle | ab 28,50 EUR