EPO 2011 #3: Gentrifizierungsdoku „Empire St. Pauli“

Der Dokumentarfilm Empire St. Pauli wendet den Blick gen Hamburg und geht den Problemen und Veränderungen nach, die durch Gentrifizierungsprozesse im berüchtigsten Stadtteil Hamburgs ausgelöst wurden beziehungsweise das Viertel bedrohen.

empire st. pauliMit zahlreichen Großprojekten wird Hamburgs berühmtester Stadtteil umgebaut – eine der letzten Lücken in der »Perlenkette« an der Elbe geschlossen. Die touristische Vermarktung läuft auf Hochtouren. Immer mehr Gut- und Bestverdienende leben und arbeiten nun im ehemals armen St. Pauli.

Wo bleiben die Menschen, die in den günstigen Wohnungen lebten, die nicht mehr in das neue Bild passen oder sich wehren?

Der Film gibt vielen Bewohnerinnen des Viertels eine Stimme und zeigt ein vielfältiges Meinungsspektrum „jenseits von Rotlicht-, Kleinkriminellen- und Arme-Leute-Klischee“ auf.

WEM GEHÖRT EIGENTLICH DIE STADT? 

Zum anschließenden Gespräch wird Produzent Steffen Jörg vor Ort sein, der 2009 für Empire St. Pauli den Hamburger Dokumentarfilmpreis erhielt. Anschließend wird der promovierte Stadtforscher Sebastian Schipper einen Vortrag halten und darin der Frage nachgehen, wem angesichts des Handelns relevanter Entscheidungsträger die Konstruktion Stadt eigentlich gehört: „Vielerorts zu beobachten sind Ausgrenzung, Abbau von Mitbestimmungsrechten oder die Missachtung sozialer und ökologischer Belange. In immer mehr Städten fordern Bürgerinnen ihre Bedürfnisse und ihr Recht auf Stadt wieder ein.“ Ein Gedanke, der auch in Greifswald hochaktuell ist.

Empire St. Pauli wurde in Greifswald bereits 2010 während der subkulturellen Gedenkwoche We remember Café Quarks im IKUWO gezeigt. Der Film wurde unter der Creative-Commons-Lizenz BY-NC-ND 3.0 veröffentlicht. Wer keine Zeit hat, dem Abend im St. Spiritus beizuwohnen, kann sich Empire St. Pauli auf youtube ansehen. Ein Trailer existiert außerdem:

Video (02:41)
[youtube tANKr2XZaEA]

Der Abend wird in Kooperation mit dem Landesverband des NABU Mecklenburg-Vorpommern gestaltet.

Fakten: 08.11.| 20 Uhr | St. Spiritus | frei
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Impressionen von „We remember Café Quarks!“

Am 04. Februar hätte das ehemalige AJZ/Café Quarks 10 Jahre Räumung hinter sich gehabt, wäre es nicht zweieinhalb Monate vorher abgerissen worden. Das Jubiläum und der unerwartete Abriss des Hauses waren Motivation genug, alte Dokumente und inzwischen quasi-pophistorisches Material zu sammeln und geballt einer größeren Öffentlichkeit zur Inansichtnahme bereitzustellen.

Audio-visuell wurde neben einem Konzertmitschnitt von Think About Mutation (Live im AJZ 1993) mit alten Aufnahmen der exilhaften Mensa-Cafeteria-M-Party-Zeit gedacht und damit ein Blick in die Zeit nach der Räumung geworfen. Durch die Vorführung des Films Empire St.Pauli wurde versucht, eine inhaltliche Annäherung an das Thema Stadtentwicklung anzubieten.

Ausstellung

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(Foto: Maria-Friederike Schulze)

DER TRAUM IST AUS!?

Die Gedenkwoche fand ihren Höhepunkt in der Abschlussveranstaltung am 06. Februar. Unter dem Titel Der Traum ist aus!? konnten Vertreter und Vertreterinnen verschiedener Gruppen zu einem Podiumsgespräch, das sich eines regen Publikumszulaufes erfreute,  zusammengeführt werden. Das sich anschließende Konzert mit Las Balkanieras sorgte für anregende Atmosphäre und verdeutlichte traurigerweise, wie schmal der Grad zwischen Backingtrack und Halbplayback sein kann. Glücklicherweise war dagegen die sich anschließende Party mit den alten Resident DJs über jeden Zweifel erhaben.

In naher Zukunft werden alle ausgestellten Flyer, Plakate, Zeitungsartikel, Videos, Pressemitteilungen und Fotos auf einem eigens dafür eingerichteten Blog veröffentlicht werden. Darauf werde ich natürlich nochmal explizit hinweisen, wenn es soweit ist. Bis dahin soll es Kapitel AJZ hier erstmal abgeschlossen sein und mit einem trotzigen We remember Café Quarks! in guter Erinnerung verbleiben.
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We remember Café Quarks! #7: Das Finale

Die Räumung des Greifswalder AJZ/Café Quarks jährt sich dieser Tage zum zehnten Mal. Aus diesem Grund wird vom 30. Januar bis zum 06. Februar eine Woche der kulturellen Freiräume zwischen Gedenken und Zukunftsvision stattfinden. We remember Café Quarks!

Der Traum ist aus!?

Die Gedenkwoche an das inzwischen abgerissene AJZ/Café Quarks wird heute Abend ihren Höhepunkt erreichen. In einem Podiumsgespräch werden sich ganz unterschiedliche Protagonisten Greifswalder Sub- und Freiraumkultur auf Spurensuche machen.

Dabei wird vom AJZ/Cafe Quarks, dem AVKO in der Alten Druckerei und den Cafe Quarks-Parties in der Mensa die Rede sein, genauso aber auch die nicht endende Odyssee des Stuthe thematisiert oder das (voraussichtliche) Scheitern der Straze-Initiative (ein Gebäude, für das sich vor rund 10 Jahren auch das obdachlos gewordene AJZ/Cafe Quarks interessierte …) und nicht zuletzt auch das IKUWO in seinem Werdegang mit offenem Ausgang betrachtet.

Nach dem Podiumsgespräch wird das vor einer Woche wegen schneeweißer Unpässlichkeiten ausgefallene Konzert mit Las Balkanieras feat. Pionear nachgeholt werden. Anschließend heißt es auf zwei Floors und unter tanzdiktatorischem Musikkommando ehemaliger AJZ-Residents We remember Café Quarks!

Fakten:
06.02. | 21 Uhr | IKUWO | freier Eintritt (Podiumsgespräch)
06.02. | 23 Uhr | IKUWO | 5 EUR (Konzert & Party)

We remember Café Quarks! #6: Videos aus dem Archiv

Die Räumung des Greifswalder AJZ/Café Quarks jährt sich dieser Tage zum zehnten Mal. Aus diesem Grund wird vom 30. Januar bis zum 06. Februar eine Woche der kulturellen Freiräume zwischen Gedenken und Zukunftsvision stattfinden. We remember Café Quarks!

Think about Mutation live im AJZ (1993)

Nochmal Film, aber heute wird sehr tief in die Schatzkiste der Videoarchivare gegriffen. Herausgekramt wurde ein Videomitschnitt vom 17. Mai 1993. Damals — also noch vor der Umbenennung in Café Quarks —  spielten die grenzgängerischen Think About Mutation im AJZ am Karl-Marx-Platz. „Trash Metal meets Happy House im Strobogewitter. Ein frühes Dokument einheimischer Rave-Kultur von hohem Schrägheits- und Energiefaktor, inklusive stadtbekannter Persönlichkeiten in verzückt-hilfloser Bemühung um adäquate Körpersprache!“

Das Nachfolgeprojekt der 2002 verblichenen Band, The Sonic Boom Foundation, fand übrigens im Oktober 2009 noch einmal den Weg nach Greifswald und gab ein Konzert im IKUWO. Das von Think About Mutation veröffentlichte Video zur Maxi-Single Irregular (1998) rotierte sogar bei VIVA ZWEI.

Mr. Dead in der Mensa Cafeteria (2001)

Nach der Räumung des Hauses am Karl-Marx-Platz lebte die quarksige Subkultur noch einige Zeit sehr aktiv weiter und agierte fortan im Exil.

wordsound greifswaldDie zu dieser Zeit noch unrenovierte Cafeteria der Mensa bot zeitweise  – und im Verbund mit ungeheuerlichen Anstrengungen – Raum für Veranstaltungen. Mitunter wurden Wahnsinn und Exzess dort auf bis zu drei Floors zelebriert.

Im Mai 2001 trat auf einer solchen Party die Wordsound Crew mit Mr.Dead, Bimos und Leon Lamont (USA) auf. Aus dem New Yorker Untergrund heraus wurden HipHop, Dub und Live Drum´n´Bass serviert. Schräges Horror-Entertainment und intergenerative Augenblicke des Glücks – von der die verwirrte Oma, die auf die Bühne stürmt, einen Eindruck vermittelt – waren historische Momente von unten!

Das und noch viel viel mehr wird im quasi-historischen Format VHS an die Wand geworfen. Außerdem stellt der Abend die letzte Möglichkeit dar, die komplette Ausstellung We remember Café Quarks! in Augenschein zu nehmen.

Fakten: 05.02. | 21 Uhr | IKUWO | freier Eintritt

We remember Café Quarks! #4: Hedonistischtennis

Die Räumung des Greifswalder AJZ/Café Quarks jährt sich dieser Tage zum zehnten Mal. Aus diesem Grund wird vom 30. Januar bis zum 06. Februar eine Woche der kulturellen Freiräume zwischen Gedenken und Zukunftsvision stattfinden. We remember Café Quarks!

Gestern Abend wurde mit einer kleinen Vernissage die Ausstellung We remember Café Quarks! eröffnet. Die Exponate werden bis Freitagabend im IKUWO zu sehen sein.

Am Sonnabend wird der Großteil der ausgestellten Dokumente wegen der Abschlussveranstaltung, die neben dem Podiumsgespräch Der Traum ist aus!? auch eine Party mit früheren AJZ-Residents offeriert und kurzfristig auch noch zusätzlich durch das nachzuholende Konzert von Las Balkaniers feat. Pionear angereichert wird, abgeräumt werden. Nutzt also die Möglichkeit, Euch einen reichhaltigen Eindruck Greifswalder Subkultur zu verschaffen!

Plattenzauber im IKUWO

sos ajzEine gute Gelegenheit bietet das Hedonistischtennis am heutigen Abend. Im Rudel um die Platte rennen und nebenher anhand alter Plakate und Presseartikel ein Stück Stadtgeschichte nachvollziehen! Musikalisch begleitet – und damit in den thematischen Rahmen gefügt – wird die sportive Veranstaltung von alten Mitschnitten aus dem AJZ/Café Quarks beziehungsweise von den nach der Räumung exilierten M-Parties.

Weil Vorfreude ja bekanntlich eine sehr vergnügliche Angelegenheit ist und ich eine besondere Zuneigung der Stadt Greifswald gegenüber nicht von mir weisen kann, sei an dieser Stelle ein neunzigsekündiger Ausschnitt eines Konzertes von The Rootsman (UK) veröffentlicht. Die Tributzollung geht runter wie Öl.

The Rootsman (UK) in und über Greifswald

(ein Klick auf den Link öffnet in der Regel einen Flashplayer)

Fakten: 03.03. | 21 Uhr | IKUWO | freier Eintritt

We remember Café Quarks! #3: Die Ausstellung

Die Räumung des Greifswalder AJZ/Café Quarks jährt sich dieser Tage zum zehnten Mal. Aus diesem Grund wird vom 30. Januar bis zum 06. Februar eine Woche der kulturellen Freiräume zwischen Gedenken und Zukunftsvision stattfinden. We remember Café Quarks!

ARTEFAKTE EINER LEBENDIGEREN ZEIT

Heute Abend wird im IKUWO um 21 Uhr mit einer kleinen Vernissage die Ausstellung We remember Café Quarks! eröffnet werden. In den vergangenen Wochen und Monaten wurden alte Liebhaberstücke, unzählige Originalplakate und -Flyer, Zeitungsartikel und Pressemitteilungen zusammengetragen, digitalisiert und neu geordnet. Entstanden ist dabei eine reichhaltige Sammlung wirklich interessanter Dokumente.

Plakat aus der Reihe "Pro AJZ"

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„JE MEHR PASSIERTE, DESTO WENIGER SCHIELTEN VIELE NACH BERLIN“

Das Haus mag seit knapp drei Monaten abgerissen sein, die Erinnerungen werden beim Anblick der Artefakte jedoch schnell wieder geweckt und sie sind sehr lebendig. Bezeichnenderweise wurde damals wie heute die Anziehungskraft des metropolen Berlins von einigen als problematisch empfunden und war trotzig-kultureller Ansporn, Greifswald in Bewegung zu halten.
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Die ausgestellten Dokumente reanimieren temporär die Greifswalder Neunziger Jahre zwischen Ausländerhass, Hausbesetzungen und kulturpolitischen Freiräumen. Lofi Deluxe wird das heutige Spektakel an den Plattenspielern begleiten und musikalisch durch eine lange Nacht führen.

Fakten: 02.04. | 21 Uhr (Vernissage) | IKUWO | freier Eintritt