Dokumentation über Huey Walkers “Oscillations”

Im September inszenierte Huey Walker die Klanginstallation “Oscillations”, für die der eigenwillige Künstler drei Gitarren der Willkür eines Pendels auslieferte. Paul Sauerland und Lucas Treise schauten ihm dabei über die Schulter und produzierten eine kurze Dokumentation über das Ergebnis.

“Oscillations” feierte pünktlich zur Greifswalder Kulturnacht im September 2016 in der Alten Bäckerei Premiere. Für die ungewöhnliche Klanginstallation, die nicht nur auf den ersten Blick mehr mit der extraordinären Versuchsanordnung eines koffeinabhängigen Soundtüftlers denn mit kontrollierbarer Livemusik zu tun hat, ließ der Greifswalder Künstler Huey Walker drei Gitarren von einem Pendel martern und schlüpfte in die Rolle eines Gitarre spielenden beziehungsweise Gitarren stimmenden Daniel Düsentriebs.

Huey Walker Kulturnacht

Kontingenz und Musik, das ist das eigentliche Leitmotiv von Walkers ausgefuchstem Aufbau. Alles fließen lassen, keine Vorherbestimmtheiten, keine Strukturen, kein konkreter Plan, nur das sich in seiner Monotonie fein variierende Summen der sanft vom Pendel touchierten Saiten. Wie ein Waldspaziergang ohne Navi im 21. Jahrhundert. Am 23. September ging Huey Walker dann noch einen Schritt weiter und ergänzte im Rahmen eines Konzerts den ambienten Selbstläufer durch eigene musikalische Interventionen und Modifikationen an Gitarren, Tasten, Loops und Delays. “Dokumentation über Huey Walkers “Oscillations”” weiterlesen

nordoststreifen: „Beltracchi – Die Kunst der Fälschung“

Passend zur Sonderausstellung Zwei Männer – ein Meer, in der seit Ende März Werke der beiden Expressionisten Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff präsentiert werden, wird am Donnerstagabend im Pommerschen Landesmuseum der Dokumentarfilm Beltracchi – Die Kunst der Fälschung (D 2014, 94 Min.) in der cineastischen Reihe nordoststreifen gezeigt.

beltracci die kunst der faelschung(Filmstill)

Ein Anarcho mit Pinsel und Farbe, dem der internationale Kunstmarkt auf den Leim gegangen ist

Arne Birkenstocks Dokumentarfilm, der 2014 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde, “nordoststreifen: „Beltracchi – Die Kunst der Fälschung“” weiterlesen

NDR-Reportage “7 Tage” zu Besuch in der Gützkower Straße

Seit einigen Jahren bringt die NDR-Reportage-Reihe 7 Tage junge Fernsehjournalisten in die dankbare Lage, in den Alltag ausgewählter sozialer Gruppen einzutauchen und deren Lebenswirklichkeiten zu porträtieren. Dabei kamen bislang mehrere wirklich sehenswerte Beiträge — zum Beispiel über die Lebensumstände von Erntehelfern, Roadies, Spitzenköchen, Flüchtlingen, Obdachlosen oder Kindergärtnern — zustande. In der aktuellen Ausgabe geht es um Menschen, die per Anhalter reisen und sich seit 2008 ein jährlich stattfindendes Tramprennen liefern, für das in der Vergangenheit auch in Greifswald kräftig die Werbetrommel gerührt wurde.

TRAMPRENNEN VERBINDET ABENTEUER UND AKTIVISMUS ZU EINEM ERLEBNISREICHEN URLAUB

Tramper Für 7 Tage unter Anhaltern nahmen die beiden NDR-Journalistinnen Domenica und David an dem Tramprennen 2013 teil, das sie gemeinsam mit ihrem Trampkollegen Marcel binnen zweier Wochen vom niederländischen Breda bis ins Dorf Zgon in die Masuren führen sollte. Auf ihrer Reise nach Polen erlebte das Team denkwürdige Momente, die sich eben nur beim Trampen erfahren lassen, und machte eine Menge interessanter Begegnungen — sei es mit der freiwilligen Feuerwehr, einem Tourmanager oder einem polnischen “Lift”, der sich nicht davon abbringen ließ, einen Umweg zu fahren, um die Tramper direkt an ihr Ziel zu bringen. “NDR-Reportage “7 Tage” zu Besuch in der Gützkower Straße” weiterlesen

“Hallo Wolgast. Das tut einfach nur weh”

Das große Gedenken um das zwanzigjährige Jubiläum der Pogrome von Rostock Lichtenhagen ist noch nicht mal vier Wochen her, doch von einer Sensibilisierung staatlicher Institutionen gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund oder Flüchtlingen und deren Sicherheitsbedürfnissen ist wenig zu spüren.

“IN WAS FÜR EINEM LAND LEBEN WIR EIGENTLICH?” (EXTRA 3) 

Eine gestern ausgestrahlte Dokumentation des NDR erregte heute in unterschiedlichen sozialen Netzwerken heftige Reaktionen: Nutzerkommentare wie “Willkommen in Dunkeldeutschland” oder “ich kotze!” waren dort gleich mehrfach unter den Verlinkungen des NDR-Beitrags zu lesen, der seine Zuschauer ins vorpommersche Wolgast zu einem Wohnblock führt, in dem seit August 2012 Flüchtlinge untergebracht werden. Die Nachbarschaft fühlt sich provoziert, nicht zuletzt deswegen, weil einige der Anwohner vorher in diesem Block lebten und wegen der Einrichtung der vorübergehenden Unterkunft umziehen mussten.

rassistische parole wolgast(Bild: Filmstill)

Aus der Antipathie gegenüber den Flüchtlingen wird kein Hehl gemacht. Eine Anwohnerin begrüßt die rechtsextreme Parole “heute sind wir tolerant … morgen fremd im eigen [sic!] land!!!”, die nachts an das Flüchtlingsheim gesprüht wurde. Ihr ist egal, ob die Flüchtlinge in ihren Herkunftsländern verfolgt werden und sie pflichtet bei, dass die betroffenen Menschen hier auch verfolgt werden würden. So klingt eine sehr reale Drohung.

RASSISMUS IM RAHMEN DES NORMALEN

Die rassistischen Ressentiments werden durch Gerüchte befeuert, dass den Insassen eine luxuriöse Heimstätte geschaffen worden sei. Es wurde bereits eine Fensterscheibe eingeworfen und auch ein Anwohner ist sich sicher, dass dort auf jeden Fall “etwas passieren” würde. Die Menschen im Flüchtlingsheim seien “leichte Beute” — für wen, das führt er nicht aus, aber der rassistischen Mob, der vor gut zwanzig Jahren zum Beispiel in Hoyerswerda oder Rostock Lichtenhagen wütete, ist schnell vor Augen.

Der Wolgaster Bürgermeister wirkt machtlos, der Leiter des Sozialamts Vorpommern Greifswald, Gerd Hamm, ordnet die Vorfälle als im “Rahmen des Normalen” ein und macht sich verdächtig, das Unübersehbare zu verharmlosen. In was für einem Land leben wir eigentlich?

Video (10:24)
[youtube 5808vwUQpTs]

  • Hetze gegen Flüchtlingsheim (NDR, 18.09.12)


Dokumentation: Die neuen Rechten

Aus aktuellem Anlass sei auf eine Dokumentation von Thomas Riedel und Falko Korth verwiesen, die im März 2010 im Auftrag von Sat1 produziert wurde. Sie begleitete den unsäglichen Fernsehfilm Die Grenze, in dessen Verlauf Mecklenburg-Vorpommern beinahe von verschiedenen Extremisten zerrieben worden wäre.

“WIR MÜSSEN SELBER EINE PARALLELGESELLSCHAFT AUFBAUEN” (MATTHIAS FISCHER) 

Bei aller berechtigten Kritik am aufgeputschten Zweiteiler ist die Begleitdoku Die Grenze. Gefahr für unser Land dann doch einigermaßen gelungen und führt auf verschiedenen Stationen quer durch Deutschland, von Wunsiedel über Sachsen-Anhalt bis nach Vorpommern und Schwerin. Dabei kommt neben der Journalistin Andrea Röpke, die in wenigen Wochen für eine Lesung nach Greifswald reisen wird, auch der hiesige Experte in Sachen Rechtsextremismus, Günther Hoffmann, zu Wort.

udo pastoers npd

Im Film werden verschiedene Facetten der rechten Bewegung angeschnitten und beleuchtet, das reicht von Demonstrationen und Kinderfesten, Lagern der verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ), Rechtsrock-Konzerten und Sonnenwendfeiern bis zum politischen Aschermittwoch, wo Udo Pastörs jene Rede halten soll, der ein Prozess wegen Volksverhetzung folgte. Eine Szene im Film dokumentiert die pastörschen Provokationen im Landtag, dessen unverhohlener Antisemitismus keine Kamerascheu kennt.

RECHTES GEDANKENGUT FÄLLT NICHT VOM HIMMEL, SONDERN WÄCHST AUS UNSERER MITTE

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Die beiden Regisseure greifen häufig auf Archiv- und Fremdmaterial zurück, wie zum Beispiel auf Mo Asumangs Roots Germania oder die unglaublichen Aufnahmen aus Wismar, wo Polizeibeamte am Rande einer linken Demonstration mit gezogenen Schusswaffen versuchen, bewaffnete Neonazis zurückzuhalten. Den wichtigsten Satz des Films steuert Andrea Röpke bei, als sie daran erinnert, dass neonazistisches Gedankengut nicht vom Himmel fällt, sondern aus der Mitte der Gesellschaft herauswächst.

Eine Woche vor der Landtagswahl ist es nicht unwahrscheinlich, dass der NPD erneut der Wiedereinzug in das Schweriner Schloss gelingen kann. Umso wichtiger ist es deswegen, sich mit dem Geist auseinanderzusetzen, der hierzulande in Gestalt der NPD um öffentliche Unterstützung buhlt. Das Leitmotiv für den heutigen Fernsehabend ist damit gefunden: Rotwein und Rieger, Pasta und Pastörs, Täter statt Tatort!

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Weitere hier verfügbare Dokumentationen zum Thema:

Dokumentation: Die NPD im Schweriner Landtag

In ihrer Dokumentation Die neuen Nazis. Ein Jahr NPD im Schweriner Landtag (2007) beobachten die beiden NDR-Redakteure Anke Jahns und Felix Pankok die 2006 in den Schweriner Landtag gewählte NPD-Fraktion und portraitieren deren Vorsitzenden, Udo Pastörs.

PASTÖRISIERUNG STÖSST SAUER AUF

Die Autorinnen bemühen sich redlich, die Doppelgesichtigkeit der NPD zwischen Parlament und Straße abzubilden, zum Beispiel, wenn Udo Pastörs im Landtag das Mikrofon abgeschaltet wird und er dort Ordnungsrufe für seine relativistischen Provokationen kassiert. Auf Kundgebungen, Parteitreffen oder Demonstrationen spricht der frühere Juwelier agressiver – noch agitatorischer – und macht keinen Hehl aus seiner Absicht, das System der BRD aus den Angeln heben und die parlamentarische Demokratie abschaffen zu wollen.

udo pastörs greifswaldDer in einigen rechten Internetforen als “gelungene Werbung” bewertete Film dokumentiert unter anderem NPD-Auftritte in Stralsund, Rostock und Neubrandenburg und zeigt, wie sich vereinzelt sogar Mitglieder der CDU in die Demonstrationen der Neonazis einreihen.

NPD-VERBOT NICHT MEHR ALS SYMBOLISCHE DISKUSSION DER SPITZENPOLITIK?

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Leider kommt mit Toralf Staud (Moderne Nazis) nur ein einziger Experte zu Wort. Hier liegt die Schwäche der Dokumention, denn angesichts der immer zahlreicher werdenden Publikationen zum Thema — und nicht zuletzt aufgrund des Vorhandenseins akademischer und zivilgesellschaftlicher Ansprechpartnerinnen vor Ort — wurde die Chance vergeben, sich differenziert mit der parlamentarischen Präsenz der NPD, den daraus folgenden finanziellen Implikationen und einem möglichen Verbot der Partei auseinanderzusetzen.

Staud hält die Verbotskontroverse eher für eine “symbolische Diskussion der Spitzenpolitik als ein taugliches Mittel im Kampf gegen Rechtsextremismus” und liegt damit ganz auf der Linie der Filmemacherinnen:

Die NPD muss nicht verboten werden, sondern widerlegt, damit ihr Ziel, unsere Demokratie abzuschaffen, nicht Wirklichkeit wird.

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Weitere hier verfügbare Dokumentationen zum Thema: